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Baumann, K. (1996): Kleinseggenriede und ihre Kontaktgesellschaften im westlichen Unterharz (Sachsen-Anhalt). - Tuexenia 16: 151-177. Göttingen.

Zusammenfassung: "Im westlichen Unterharz werden Kleinseggenriede und ihre Kontaktgesellschaften in großflächigen Quellsümpfen vegetationskundlich untersucht und standörtlich charakterisiert.

Das Caricetum fuscae ist an basenarmen Wuchsorten mit auch im Sommer hoch anstehendem Grundwasser zu finden. Bei tieferen Grundwasserständen wird es auf stark saurem Substrat (pH 3,8-4,5) vom Juncetum squarrosi, unter mäßig sauren Bedingungen (pH ca. 4,5-6,0) von der Calthion-Basalgesellschaft abgelöst. Artenarme Großseggenbestände wachsen auf elektrolytreicheren Standorten im Überschwemmungsbereich der Bäche. Auf nährstoffarm-basenreicherem Substrat findet sich vereinzelt das Parnassio-Caricetum pulicaris."

 

Baumann, K. (1999): Vegetation, Verbreitung und Gefährdung basenreich-nährstoffarmer Sümpfe im sachsen-anhaltinischen Harz. - Mitteilungen zur floristischen Kartierung in Sachsen-Anhalt 4: 31-44. Halle.

Zusammenfassung: "Im sachsen-anhaltinischen Harz existieren noch Kleinseggenriede auf basenreichem Substrat, die teilweise extrem seltene und bislang als verschollen geglaubte Phanerogamen- und Kryptogamen-Arten beherbergen. Sie lassen sich in vier verschiedene Gesellschaften gliedern, deren Standorte sich hinsichtlich Basen- bzw. Kalkgehalt und Wasserversorgung unterscheiden.

In der aktuellen landwirtschaftlichen Situation im Harz geht die Gefährdung der anthropogenen Kleinseggenriede in erster Linie von der Nutzungsaufgabe aus. Generell scheint die Verbrachung in der montanen Stufe des Harzes allerdings erheblich langsamer zu erfolgen als in agrarisch intensiver genutzten Landschaften. Örtlich können sich selbst nach über 25jähriger Brache noch basiphile Kleinseggenriede gegenüber hochwüchsigen Dominanzbeständen behaupten.

Ihre Erhaltung ist in vielen Fällen durch eine Mahd in Abständen von zwei bis vier Jahren, oder, bei geeigneten Bodenverhältnissen, auch durch eine extensive Beweidung zu gewährleisten."

 

Baumann, K. & Täuber, T. (1999): Kleinseggenriede und Zwergbinsen-Gesellschaften der Stauteiche des Westharzes: ökologische Bedingungen und Schutzkonzepte. - Hercynia N.F. 32 (1999): 127-147. Halle.

Zusammenfassung: "Kleinseggenriede (Scheuchzerio-Caricetea fuscae) und Zwergbinsen-Gesellschaften (Isoëto-Nanojuncetea) besiedeln innerhalb der Oberharzer Stauteiche vor allem hinsichtlich der Wasserstandsschwankungen völlig unterschiedliche Biotope.

Die Kleinseggenriede lassen sich in vier verschiedene Gesellschaften gliedern, deren floristische Ausstattung ihre unterschiedlichen Standortsbedingungen widerspiegelt. Alle können jedoch nur existieren, wenn sie praktisch ganzjährig den Einfluss von Quell- oder Teichwasser erfahren; längerfristige Austrocknung ertragen sie ebensowenig wie langandauernde Überflutung. Eine gewisse witterungsbedingte Oszillation des Wasserstands fördert die Ausbreitung verschiedener seltener Moosarten, die in Kleinseggenrieden des übrigen Harzes praktisch nicht zu finden sind.

Auch die den Isoëto-Nanojuncetea zugehörigen Bestände lassen sich in vier Gesellschaften unterteilen. Sie sind in starkem Maße von schwankenden Wasserständen abhängig, die sowohl durch menschliche Eingriffe als auch durch starke Trockenheit verursacht werden können. Entscheidend für Entwicklung und Reproduktion der Arten sind Zeitpunkt und Art der Abtrocknung von Uferbereichen. Um den Entwicklungszyklus abschließen zu können, sind aber auch ausreichend hohe Temperaturen wichtig. Deshalb sollte mit dem Ablassen der Teiche bereits Anfang Juli begonnen werden.

Unter Berücksichtigung der Belange des Fremdenverkehrs und des Naturschutzes sollte ein flexibler Rotationsplan entworfen werden, der das teilweise Ablassen der in Frage kommenden Teiche regelt."

 

Baumann, K. (2000): Vegetation und Ökologie der Kleinseggenriede des Harzes. Wissenschaftliche Grundlagen und Anwendungen im Naturschutz. Diss. Universitt Göttingen. Cuvillier-Verlag, Göttingen.

Zusammenfassung: "Im Rahmen der Arbeit wurden vegetationsökologische Untersuchungen in Kleinseggenrieden des Harzes vorgenommen, die die wissenschaftliche Grundlage für naturschutzfachliche Planungen schaffen.

Der Begriff "Kleinseggenried" wurde weit gefasst, so dass neben diversen Scheuchzerio-Caricetea fuscae-Gesellschaften auch kleinseggenreiche, produktionsschwache Bestände der Klassen Molinio-Arrhenatheretea und Nardo-Callunetea Berücksichtigung fanden. Insgesamt wurden im Harz 270 Vorkommen pflanzensoziologisch aufgenommen und standörtlich untersucht. Auf weiteren 70 Dauerflächen in definierten Vegetationseinheiten wurden zusätzlich während einer Dauer von 18 Monaten hydrologische und hydrochemische Parameter ermittelt sowie Nährstoffanalysen von Pflanzen vorgenommen. Dies erfolgte nicht nur zur standörtlichen Charakterisierung der verschiedenen Vegetationseinheiten, sondern diente auch der Untersuchung der sekundären Sukzession, indem Methoden der indirekten Sukzessionsforschung angewendet wurden.

Im Vordergrund der vegetationskundlichen Auswertung stand die Ermittlung von statistisch abgesicherten Artengruppen und ihrer jeweiligen standörtlichen Zeigereigenschaften für Kleinseggenriede bzw. den Biotoptyp "nährstoffarmer Sumpf". Insgesamt wurden 13 verschiedene Artengruppen gebildet, die einen unterschiedlichen indikatoischen Wert besitzen. Die überregionale Gültigkeit dieser soziologisch-ökologischen Gruppen des Harzes wurde anhand von 1155 Vegetationsaufnahmen aus der Literatur für das Gebiet Deutschlands und seiner unmittelbaren Nachbarschaft (unter Ausschluss der Alpen und der Nordsee-Inseln) überprüft. Dabei zeigte sich, dass sämtliche Gruppen des Harzes im Kern auch auf überregionaler Ebene auftreten.

Die Definition der Vegetationseinheiten erfolgt - mit Ausnahme zweier extrem artenarmer Gesellschaften - ebenso wie deren weitere Untergliederung durch die logische Verknüpfung von Artengruppen. Subassoziationen bzw. Untergesellschaften werden stets nach einem Basengradienten eingeteilt, die Varianten nach dem Wasserfaktor. Diese sog. Wasserstufen-Varianten sind geeicht, d.h. die einheitlich als A, B, C und D bezeichneten Einheiten stehen im Vergleich mehrerer Gesellschaften jeweils für identische hydrologische Bedingungen.

Die Kleinseggenriede des Harzes lassen sich in insgesamt neun Gesellschaften gliedern. Der Klasse Scheuchzerio-Caricetea fuscae gehören sieben von ihnen an: Die Eriophorum angustifolium- und die Carex rostrata-Gesellschaft sind vor allem negativ gekennzeichnet und kommen auf den nährstoff- und basenärmsten Standorten vor. Das sehr seltene Caricetum lasiocarpae ist auf ganzjährig sehr nasse, ungestörte Moorbereiche mit mittel saurer Bodenreaktion beschränkt. Die im Harz häufigste Gesellschaft ist das Caricetum fuscae, das ein weites Standortspektrum aufweist. Je niedriger der pH-Wert, desto "trockenere" Bereiche kann diese Gesellschaft besiedeln. Eine floristische und standörtliche Übergangsstellung zwischen den Verbänden Caricion fuscae und Caricion davallianae nimmt die Carex flava-Carex panicea-Gesellschaft ein, der eigene Kennarten fehlen. Das Caricetum davallianae und das nur auf einer Fläche vorkommende Schoenetum nigricantis wachsen an den basenreichsten (jedoch nicht zwangsläufig kalkhaltigen) Orten. Beide können sich nur auf den nassesten Standorten gegenüber wüchsigeren Grünland-Gesellschaften behaupten. Der Klasse Molinio-Arrhenatheretea ist die Carex panicea-Calthion-Gesellschaft zuzuordnen. Sie wird in drei Untergesellschaften gegliedert, die bei abnehmender Bodenvernässung das Caricetum fuscae, die Carex flava-Carex panicea-Gesellschaft bzw. das Caricetum davallianae ablösen. Die basenärmsten Ausbildungen des Caricetum fuscae werden auf weniger nassen Standorten vom Juncetum squarrosi (Klasse Nardo-Callunetea) ersetzt.

Im Rahmen eines Literaturvergleiches wurden auch die überregionalen Vegetationsaufnahmen durch die logische Verknüpfung von Artengruppen in die genannten neun Gesellschaften gegliedert. Dabei bestätigte sich, dass das Gliederungssystem der Kleinseggenriede des Harzes auch auf überregionaler Ebene verwendet werden kann und dass sämtliche Gesellschaften auch außerhalb des Harzes mit einem sehr ähnlichen Arteninventar auftreten. Bei einem kleinen Teil dieser Aufnahmen sind allerdings vielfältigere Kombinationen von Artengruppen realisiert als im Harz, so dss die Definition der Gesellschaften zwangsläufig etwas komplexer ausfallen muss.

Das standörtliche Spektrum der Kleinseggenriede des Harzes ist weit. Die am stärksten vegetationsdifferenzierenden Faktoren sind der Jahresgang des Grundwasserstandes, der pH-Wert des Bodens und das Stickstoffangebot. Letzteres lässt sich am besten aus dem C/N-Verhältnis des Oberbodens ableiten. Korrelationsberechnungen belegen, dass der C/N-Wert von Bodenreaktion und Grundwasserstand abhängt: Bei gegebener Bodennässe treten mit abnehmendem pH-Wert steigende C/N-Werte auf. Gleichzeitig steigt das C/N-Verhältnis unter stark sauren Bedingungen mit höherem Grundwasserstand deutlich an, während dies bei schwach saurer bis alkalischer Reaktion höchstens in geringem Maße der Fall ist. Der Grad der Humusakkumulation - d.h. der Anteil organischer Substanz des Bodens - ist seinerseits vom Grundwasserregime, dem C/N-Verhältnis der Streu und dem pH-Wert abhängig.

Die Analysen der Pflanzensubstanz deuten darauf hin, dass das Wachstum von Eriophorum angustifolium, Carex nigra und Polygonum bistorta auf den meisten Probeflächen stickstofflimitiert, das von Sphagnum fallax dagegen überwiegend phosphorlimitiert ist. Eine Limitierung des Pflanzenwachstums durch Kalium scheint keine nennenswerte Rolle zu spielen.

Eine potentielle Gefährdung der Kleinseggenriede des Harzes geht in erster Linie von einer langfristigen Brache der anthropogenen Bestände und in zweiter Linie von einer Nutzungsintensivierung aus. Bei den nicht mehr genutzten Beständen ist die Tendenz zur Verbuschung oder Sekundärbewaldung sehr gering. Ihre Empfindlichkeit gegenüber der Ausbreitung von Brache-Arten hängt von pH-Wert und C/N-Verhältnis des Bodens ab: Auf sauren Böden mit weitem C/N-Verhältnis ist eine Ausbreitung entsprechender Arten auch nach jahrzehntelanger Brache kaum zu erwarten. Basenreiche Kleinseggenriede sind demnach am stärksten durch Verbrachung gefährdet.

Eine Nutzungsintensivierung in Form von Entwässerung und/oder Düngung überführt Kleinseggen-Gesellschaften in erster Linie in mesotrophe Feuchtwiesen-Gesellschaften. Auf eine Absenkung des Grundwasserstandes reagieren basenreiche Kleinseggenriede sensibler als die basenarmen.

Das abschließende Kapitel der Arbeit beschäftigt sich mit Fragen des praktischen Naturschutzes. Für die Biotoptypen "basen- und nährstoffarmer Sumpf" sowie "basenreicher, nährstoffarmer Sumpf" wurden Leitbilder formuliert und Bewertungskriterien entwickelt. Für letztere wurden die verschiedenen Pflanzengesellschaften und ihre Untereinheiten herangezogen, auf deren Basis Naturnähe, Wasserhaushalt und Nährstoffsituation der Biotope bewertet werden können. Daneben wurden Indikationen für einen naturschutzfachlichen Handlungsbedarf erstellt, die sich an den Abweichungen des Ist-Zustandes vom Leitbild orientieren. Handlungsempfehlungen werden sowohl für die Pflege als auch für die Regeneration von Kleinseggenrieden gegeben."

 

Baumann, K. (1997): Zur Populationsbiologie der Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) bei Leiferde (Landkreis Gifhorn) unter besonderer Berücksichtigung der Effektivität der Umsiedlung in ein Ersatzlaichgewässer. Braunschweiger naturkundliche Schriften 5(2): 249-267. Braunschweig.

Zusammenfassung: "An einer Knoblauchkröten-Population, die als Schutz vor dem Straßentod in ein Ersatzlaichgewässer umgesiedelt wurde, konnten im Verlauf von insgesamt 9 Jahren phänologische und populationsökologische Untersuchungen vorgenommen werden.

Mit Hilfe individuell wiedererkennbarer Tiere wurde eine Beziehung zwischen Körperlänge und Wachstum aufgestellt und der Altersaufbau der Population ermittelt.

Die Knoblauchkröte besitzt offenbar keine starre Bindung an definierte Sommerlebensräume und Winterquartiere und zeigt auch bei der Laichplatzwahl eine gewisse Flexibilität. Die Laichbereitschaft verfrachteter Weibchen unterscheidet sich nicht von der der übrigen weiblichen Tiere.

Die Anlage des Ersatzlaichgewässers kann als erfolgreiche Amphibienschutzmaßnahme gewertet werden, da das neue Gewässer von Jahr zu Jahr von mehr freiwillig zuwandernden Knoblauchkröten aufgesucht wird."

 

Baumann, K. (2001): Habitat und Vergesellschaftung von Somatochlora alpestris und S. arctica im Nationalpark Harz (Odonata: Corduliidae). - Libellula 20 (1/2): 47-67. Mönchengladbach.

Zusammenfassung: "Im Jahr 2000 wurden 30 Schlenken und der Kolk des Odersprungmoores durch systematische Exuvien-Aufsammlungen auf ihren Libellenbestand hin untersucht. In den Schlenken wurden verschiedene Strukturdaten erhoben und auf dieser Basis die Ansprüche der unterschiedlichen Arten an ihre Larvalgewässer verglichen. Insgesamt wurden 705 Exuvien von 10 verschiedenen Arten erfasst.

Die individuenstärkste Art im Odersprungmoor ist Leucorrhinia dubia. Somatochlora alpestris wurde in der größten Zahl von Schlenken nachgewiesen, tritt dort jedoch meist nur in geringer Anzahl auf. Gemeinsam mit der selteneren Somatochlora arctica ist sie in den kleinsten Schlenken mit den geringsten Wassertiefen zu finden. Beide können in ein und dem selbem Gewässer mit bis zu 5 weiteren Arten gemeinsam existieren. Die beiden Somatochlora-Arten sind regelmäßig miteinander sowie recht häufig auch mit Aeshna juncea und Sympetrum danae vergesellschaftet. Größere Bestände der beiden Somatochlora-Arten und von Leucorrhinia dubia schließen sich dagegen ebenso aus wie ein gemeinsames Vorkommen der Smaragdlibellen mit Aeshna subarctica. Letztere Art ist auf die größeren und tieferen Schlenken sowie auf den Kolk beschränkt, der von den Somatochlora-Arten nicht besiedelt wird."

 

Baumann, K., Tiedt, H. & Wolf, H. (2003): Effizienz von Dauerleiteinrichtungen und Amphibiendurchlässen für adulte Frosch- und Schwanzlurche an der Landesstraße 561 bei Hann. Münden (Landkreis Göttingen). Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 2: 21-41. Bielefeld.

Zusammenfassung: "Die Effizienz einer neu gebauten Amphibientunnelanlage bei Hann. Münden (Niedersachsen, Landkreis Göttingen) wurde im Frühjahr 2002 für adulte Tiere untersucht. Insgesamt wurde die Durchquerung der Durchlässe von 7.869 Individuen nachgewiesen, darunter 6.157 Teichmolche (Triturus vulgaris), 1.226 Erdkröten (Bufo bufo), 309 Grasfrösche (Rana temporaria) und 163 Bergmolche (Triturus alpestris). Mittels individuell markierter Froschlurche wurde belegt, dass mindestens 67 % der anwandernden Erdkröten und mindestens 69 % der Grasfrösche die Durchlässe angenommen haben. Die meisten Individuen dieser Arten passierten die Tunnel noch in der Nacht der Markierung. Die Teichmolche zeigten dagegen an der Amphibienschutzanlage ein wenig zielgerichtetes Wanderverhalten. Sie verharrten teilweise tage- bis wochenlang im flachen Straßengraben und in den einige Zentimeter tief unter Wasser stehenden Durchlässen und durchquerten letztere stark zeitverzögert.

Eine nur provisorisch gesicherte Forstwegeinmündung beeinträchtigt die Effizienz der angrenzenden Abschnitte der Leiteinrichtung und der benachbarten Durchlässe. Insgesamt ist die Funktionalität dieser Anlage für adulte Amphibien als gut zu bewerten."

 

Baumann, K. & Tiedt, H. (2005): Amphibien im Bereich des Kiesabbaugebietes Ballertasche (Landkreis Göttingen) unter dem Aspekt der Lebensraumzerschneidung durch eine Straße. Göttinger Naturkundliche Schriften, 6: 29-40. Göttingen.

Zusammenfassung: "Die Landesstraße 561 zerschneidet die Jahreslebensräume verschiedener Amphibienarten, die ihre Laichgewässer in der „Ballertasche“, ihre Sommer- und Winterquartiere jedoch im Bramwald haben. Der Straßentod dieser Tiere soll durch eine neu installierte Amphibienschutzanlage eingedämmt werden, die aus einer Dauerleiteinrichtung und fünf Tierdurchlässen besteht. Die Effizienz dieser Anlage wurde im Jahr 2002 mittels Individualmarkierung von Amphibien untersucht.

Die Gesamtgrößen der im Untersuchungsjahr wandernden Populationen werden auf 10.000 Teichmolche (Triturus vulgaris), 3.000 Erdkröten (Bufo bufo), 450 Grasfrösche (Rana temporaria) und 250 Bergmolche (Triturus alpestris) geschätzt. Mindestens 67 % der markierten Erdkröten und 69 % der Grasfrösche durchquerten einen der Durchlässe. Auch die Teichmolche nahmen die Durchlässe an, zeigten hier aber ein wenig zielgerichtetes Wanderverhalten. Die Effizienz der Anlage für adulte Amphibien wird als gut bewertet. Der Wanderkorridor der Amphibien ist jedoch breiter als die Dauerleiteinrichtung. Daher wird die Verlängerung der Anlage um etwa 100 m empfohlen."

 

Baumann, K. (2006): Somatochlora alpestris und S. arctica im Harz – Verbreitung, Einnischung und Bestandessituation. Tagungsband der 25. Jahrestagung der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) in Essen, NUA-Heft Nr. 18: 20.

Zusammenfassung: "Innerhalb der untersuchten Moore des Harzes ist Somatochlora alpestris mit einer Stetigkeit von 78 % die am weitesten verbreitete Libellenart, gefolgt von Aeshna juncea (65 %), Somatochlora arctica (52 %), Sympetrum danae und Leucorrhinia dubia (beide 48 %). In diversen, v.a. von eher kleinen Schlenken geprägten Mooren sind S. alpestris und/oder S. arctica die individuenreichsten, teils sogar die einzigen Libellenarten. Larvalgewässer von S. alpestris sind überwiegend Schlenken innerhalb der intakten Hochmoore, jedoch auch erst seit kurzem aufgestaute Gräben in renaturierten Mooren sowie Kleinstgewässer in soligenen Hangmooren. S. arctica entwickelt sich fast ausschließlich in den Schlenken der Hochmoore, wobei diese Gewässer im Schnitt etwas kleiner und flacher sind als bei S. alpestris.

Die Bestandessituation beider Somatochlora-Arten ist positiv zu bewerten. Die hinsichtlich ihrer Habitatwahl offenbar flexiblere S. alpestris wird sich vermutlich mit Fortschreiten der Renaturierungsarbeiten kurz- bis mittelfristig weiter ausbreiten. Ob dies – mit zeitlicher Verzögerung – auch bei S. arctica der Fall sein wird, bleibt abzuwarten."

 

Baumann, K. (2008): Vegetationsdynamik soligener Hangmoore im Hochharz. Tagungsband zur 7. Wissenschaftlichen Tagung im Nationalpark Harz vom 14.-15.09.2006 in Ilsenburg. Nationalpark Harz, Wernigerode.

Zusammenfassung: "Soligene Hangmoore sind im Nationalpark Harz v.a. an stark quellwasserbeeinflussten Hängen mit stauendem Untergrund entstanden. Sie sind den Nieder- bis Über­gangsmooren zuzu­rechnen und haben Torfmächtigkeit von meist 70-100 cm. Über diese Moore, insbesondere auch über mögliche natürliche oder anthropogene Ver­ände­rungen (z.B. durch atmosphärische N-Depositionen), ist bislang wenig bekannt. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2001 20 Dauerflächen im Ilse-Quellgebiet einge­richtet, auf denen primär die Bestandsentwicklung der Torfmoose, daneben aber auch alle übrigen Veränderungen der Vegetation untersucht werden sollen.

Die seit maximal fünf Jahren beobachteten Dauerflächen zeigen zum Teil gar keine, zum Teil aber auch deutliche Veränderungen. Letztere sind überwiegend auf unmittelbare (natürliche) Verän­de­rungen des Wasserregimes zurückzuführen. So ist selbst in diesem kurzen Beobach­tungszeit­raum bereits erkennbar, dass sich das die Hänge herabfließende Wasser bei Stark­regen oder während der Schneeschmelze neue Wege sucht oder ehemals oberflächlich ab­fließendes Wasser in kleinen Trichtern versickert

Ob in den soligenen Hangmooren auch gerichtete - natürliche oder anthropogene - Verände­rungen statt finden, kann erst das mittel- bis langfristige Monitoring zeigen.

 

Baumann, K. (2009): Entwicklung der Moorvegetation im Nationalpark Harz. Schriftenreihe aus dem Nationalpark Harz - Band 4. Nationalpark Harz, Wernigerode.

Zusammenfassung: " Die Vegetation der Moore hat sich in den vergangenen 30-35 Jahren insgesamt nur wenig ver­ändert. Ein Teil der festgestellten Veränderungen ist mit natürlichen Prozessen zu er­klären, die in erster Linie auf der Dynamik des Wassers beruhen: Da sich der größte Teil aller Harzmoore in geneigtem Gelände befindet und die Niederschlagsmengen hoch sind, ist die erodierende Kraft des Wassers grundsätzlich groß. So können neue Abflussrinnen ent­stehen und alte wieder ver­landen und damit erheblichen Einfluss auf die Vegetations­entwicklung in ihrem jeweiligem Umfeld nehmen. Es ist daher möglich, dass innerhalb nur weniger Jahrzehnte größere Flächen von einem Hochmoor-Erosions- oder Stillstands­komplex in einen Hochmoor-Wachstumskomplex übergehen. Der umgekehrte Prozess scheint etwas langsamer abzulaufen: So wurde zwar verschiedentlich offenbar stagnie­rendes Moorwachstum festgestellt, doch in keinem Fall war ein vormaliger Wachstums­komplex bereits in einen typischen Stillstandskomplex übergegangen.

Allerdings gibt es auch Veränderungen, für die die natürliche Wasserdynamik nicht als allei­nige Erklärung dienen kann und die sich in jüngster Zeit zum Teil zu verstärken scheinen. Verschiedene Prozesse deuten auf Auswirkungen der hohen atmosphärischen Stickstoffde­positionen und/oder der globalen Erwärmung hin. Hierzu gehört in erster Linie das Auf­kommen von Gehölzen (Moor-Birken und Fichten) im Übergangs-Niedermoor-Stufenkomplex und in Hochmoorkomplexen sowie die Ausbreitung des Pfeifengrases im Molinia caerulea- und Eriophorum angsutifolium-Nieder­moor-Stufenkomplex. Eine „Invasion“ von Bäumen, primär der Moor-Birke, wurde bislang nur in einem kleinen Teil der Moore festgestellt, doch eine zumindest schwache Zunahme der Fichte ist vielerorts zu beobachten. Gravierender, da in zahlreichen Mooren auftretend und stellenweise recht schnell ablaufend, ist die Zunahme von Molinia caerulea. Hiervon betroffen ist in erster Linie die Eriophorum angustifolium-Ge­sellschaft, deren Ausdehnung aktuell deutlich abzunehmen scheint. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das „Gesicht“ der Moore oder Moorbereiche, die bislang von nassen Torfmoosrasen und den markanten Wollgrasbeständen geprägt waren und nun in uniforme, moosarme Pfeifengrasbestände übergehen. Stellenweise breiten sich auch Vaccinium uligi­nosum oder Trichophorum cespitosum innerhalb der Eriophorum angustifolium-Ge­sellschaft aus: Während diese beiden Arten in den nur schwach soligenen Ausprägungen Fuß fassen, dringt Molinia in die deutlich minerotrophen Bestände ein. Damit wird die Eriophorum an­gustifolium-Gesellschaft quasi von beiden Seiten her dezimiert. Ein v.a. in Hochmoor-Wachstums­komplexen beobachteter Prozess ist zudem die Zunahme von Calluna vulgaris, die hier natür­licherweise keine Rolle spielen sollte.

Um diese Veränderungen künftig genau nachvollziehen zu können, wurden im Sommer 2009 ins­gesamt 80 Dauerflächen in vier niedersächsischen Mooren eingerichtet, die mit jeweils mehreren Parallelen alle wesentlichen Vegetationstypen der Niedermoorkomplexe und des Hochmoor-Wachstumskomplexes abdecken. Es bleibt die Hoffnung, dass die festgestellten Prozesse nicht flächig auftreten und/oder sich allenfalls langsam fortsetzen werden und die Harzmoore in ihrer phantastischen Schönheit und Eigenart erhalten bleiben.

 

Teicke, J. & Baumann, K. (2010): Talsperrenbetrieb für den Naturschutz. – Wasserwirtschaft 100 (4): 44-46. Wiesbaden.

Zusammenfassung:

"Talsperren und Naturschutz werden in der Regel als Gegensätze betrachtet. Im Oberharz gibt es aber alte Talsperrenanlagen, die nach einem über Jahrhunderte andauernden rücksichtslosen Betrieb eine extrem seltene Flora und Fauna erzeugt haben. Dabei handelt es sich um historische Stauteiche des sogenannten „Oberharzer Wasserregals“, die Jahrhunderte lang Wasser für Bergwerke bereitgestellt haben, mit deren Stillegung seit Ende der 1970er Jahre aber keine wirtschaftliche Nutzung mehr erfahren.

Diese nährstoffarmen Teiche zeichnen sich durch eine seltene Teichbodenvegetation mit Zwergbinsen- und Strandlingsgesellschaften aus, die auf schwankende Wasserstände angewiesen sind. Zudem beherbergen die Stauteiche die bedeutendsten norddeutschen Vorkommen des Europäischen Flusskrebses (Astacus astacus). Aus diesem Grund wird der Wasserstand ausgewählter Teiche heute unter Naturschutzaspekten reguliert, d.h. in mehrjährigen Abständen werden die Pegel während des Sommers so weit abgesenkt, dass ausreichend große Uferpartien frei liegen, aber gleichzeitig Edelkrebse und andere Wasserorganismen nicht zu Schaden kommen."